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Komotov

Mit meinem exorbitanten Erfahrungsschatz im lockeren Umgang mit alkoholischen Getränken und Frauen war ich einige Jahre vor der Jahrtausendwende ein fantastisches Vorbild für zahllose Heranwachsende, obwohl ich selbst der Pubertät erst einige Jahre entwachsen war. In dieser Zeit war ich sehr empfänglich für abnorme und zwanglose Freizeitaktivitäten und so sagte ich spontan zu, als ein Wochenendausflug in die Tschechoslowakei im Raum stand. Dieser Kurztrip sollte kein Flopp  werden, weshalb wir hochmotiviert die Vorbereitungen in Angriff nahmen.

Mit einem etwas in die Jahre gekommenen schwarzen Opel Ascona B traten wir dann wohl überlegt und umgehend zu dritt die etwa einstündige Fahrt nach Komotau an. Gepäck empfanden wir als unnötigen Ballast und so haben wir uns entschieden, dass wir Schlüpfer, Socken und sonstige Kleidungstücke bei Bedarf vor Ort erwerben.

Unwissend einer Schlafmöglichkeit irrten wir zunächst durch ein wenig einladendes Wohnviertel. Ein paar freundliche Eingeborene empfahlen uns auf Nachfrage eine Pension, in welcher wir dann in Ermangelung hochwertigerer Alternativen für eine Nacht ein geräumiges Zimmer anmieteten. Der Raum war ziemlich schäbig und hatte, bis auf ein kleines Waschbecken, keine sanitären Einrichtungen vorzuweisen. Für den von uns gezahlten Übernachtungspreis hatten wir eindeutig mehr Ausstattung erwartet und so entschlossen wir uns, bis zur Abfahrt am nächsten Tag das warme Wasser im Waschbecken laufen zu lassen. Zusätzlich schalteten wir jeden Stromverbraucher im Zimmer auf die höchste Stufe und ließen das Zimmerlicht durchweg erleuchtet.

Wir hatten noch etwas Zeit, bis der angesagte Klub in der Nähe öffnete und sahen wir uns ein wenig in dem kleinen Hotel um und entdeckten einen großen, abschließbaren Gemeinschaftswaschraum. Hier konnten wir dem Hotelbesitzer noch ein paar weitere Kosten auferlegen und so funktionierten wir den Raum kurzerhand in eine Sauna um, indem wir alle Duschen auf heißester Stufe laufen ließen. Der Raum füllte sich rasant mit etlichen Kubikmetern Wasserdampf, so dass das Atmen immer schwerer fiel, aber eine gigantische Wohlfühlatmosphäre zum Saunieren entstand. Mehrfaches Rütteln an der Türklinke der von uns abgeschlossenen Tür ignorierten wir gekonnt und genossen eine Zeit der Entspannung und Entschlackung.

Die Minuten zogen wie im Flug an uns vorbei und durch das winzige Fenster in unserer Sauna sahen wir die hereinbrechende Dämmerung. Es war nun an der Zeit, den kleinen Klub in der Nähe aufzusuchen, um Unmengen alkoholischer Getränke zu verzehren und nicht der deutschen Sprache mächtige junge Frauen für die anschließende körperliche Ertüchtigung zu finden. Frisch sauniert und gepflegt drängten wir uns in eine Menschenansammlung, welche nun genau wie wir auf die Öffnung des Klubs wartete. Sofort nach Öffnung strömten wir zur Bar und besetzten drei Hocker, welche einen großflächigen Überblick über die avisierte weibliche Klientel boten.

Als Getränk wählten wir vorerst russischen Wodka, welchen wir mit Orangensaft zu einer leicht verträglichen Mixtur mischten. Als der Alkohol uns fortschreitend leichtfüßiger machte, wurden auch einige anwesende Frauen kurioserweise deutlich attraktiver, als sie uns vorher noch erschienen. Wir fanden nun mit Leichtigkeit drei mindestens volljährig wirkende junge Frauen, die in uns anscheinend vermögende junge Herren aus dem kapitalistischen Nachbarland sahen. Wir entschieden also, den Klub gemeinsam zu verlassen und den restlichen Teil des Abends, sowie die Nacht in unserem kleinen Hotel zu verbringen.

Durch die Bewegung und die abendliche, kalte Herbstluft wurde die Alkoholverarbeitung im Körper sehr massiv gefördert, was augenscheinlich zu einem Totalausfall der motorischen und sprachlichen Fähigkeiten führte, aber die jungen Damen nicht sonderlich abschreckte. Als wir am Hotel ankamen, wurden wir jedoch barsch vom Pförtner zurückgewiesen. In bruchstückhaftem Deutsch versuchte er uns zu erklären, dass das Mitbringen von weiblicher Begleitung nicht erwünscht sei. Wir ließen also die Mädchen vor dem Hotel stehen und begaben uns in unser Zimmer, um letztlich dem Alkohol die gänzliche Kontrolle über unsere Körper zu überlassen und in einen komahaften Schlaf zu verfallen.

Ab diesem Zeitpunkt fehlt mir leider die Erinnerung an das Geschehene. Mein Gedächtnis setzt erst am nächsten Morgen wieder ein, als ich nur mit T-Shirt und Socken und ansonsten völlig unbekleidet erwachte. Meinen beiden Mitreisenden erging es leider ähnlich, so dass wir die Vorkommnisse in der Nacht nur partiell wiederherstellen können.

Wir erwachten auf jeden Fall im richtigen Zimmer, denn das warme Wasser lief immer noch ungenutzt in den Abfluss des Waschbeckens und hinterließ dampfende, gurgelnde Geräusche. Autoschlüssel und persönliche Dokumente waren am gleichen Ort, wo wir selbiges am Vorabend deponiert hatten. Eine kurze Überprüfung der Finanzen ergab, dass jedem von uns ein hoher zweistelliger Betrag fehlte, obwohl wir in dem Klub wegen des damaligen Verhältnisses von Tschechischer Krone zur Deutschen Mark nur wenig Geld verbraucht hatten.

Wieso war mein Geschlechtsteil entblößt und wohin ist das Geld verschwunden? Diese Fragen stellte ich nicht nur mir, sondern auch meinen beiden Mitreisenden. Schemenhaft rekonstruierten wir die Ereignisse  und kamen zu der Erkenntnis, dass es die drei jungen Damen wohl doch irgendwie mit in unser Zimmer geschafft hatten und sich an unseren Körpern und Bargeld erfreut haben müssen. Erinnerungsfetzen gaben zudem wieder, dass wir jeder wohl den Beischlaf mit einer der drei Frauen versucht haben müssen. Dies schien aber zumindest bei mir wohl nicht recht erfolgreich gewesen zu sein, denn einer meiner Mitreisenden meinte sich erinnern zu können, dass sich eine Frau wohl oral etwas intensiver um mich bemüht haben soll. Meinen beiden Reisekumpanen erging es ähnlich wie mir, jedoch haben auch diese Beiden die Geschehnisse in dieser Nacht nicht restlos aufklären können.

Wir gönnten unseren geschundenen Leibern noch etwas Erholung und bekämpften den noch im Körper befindlichen Alkohol vom Vorabend mit diversen Mitteln und traten dann gegen nachmittag die Heimreise an. Abschließend kann man als Fazit ziehen, dass dieser Kurztripp ins Nachbarland als ein wirklich gelungener Ausflug in der Erinnerung haften bleibt, auch wenn zum Ende des Ausfluges hin einige Geschehnisse unwiederbringlich verloren gegangen sind.

Proktologe

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