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Der Stuhl

Was für eine Farce, die sich da zugetragen hatte. Mit der üblichen Mundhygiene und einer entspannten Darmentleerung gedachte ich den Tag zu beginnen. Abrunden wollte ich das morgendliche Ritual mit dem Einbringen von Gel in meine moderne Kurzhaarfrisur.

Frohen Mutes ergriff ich Besitz vom Porzellan. Mein Stuhl ergoss sich in den letzten Monaten zumeist in perfekter Konsistenz und Farbe in die Keramik. Schwankungen bei Färbung und Härte erklärten sich mit sporadischer Fehlernährung.

Die Bürste reinigte problemlos jeden Zahn, dieweil ich zeitgleich auf das Einsetzen der Presswehen wartete. Durch geschicktes Spannen und Lockern der Muskeln um den Anus, versuchte ich, den Vorgang zu beschleunigen, als urplötzlich eine Marter einsetzte, die selbst Geburtsschmerz in den Schatten stellte.

Unmengen an Fäkalien drängten vehement durch einen viel zu engen Ausgang. Wie eine zu dicke, steinharte Dauerwurst fühlten sich die Exkremente an. Mein After drohte unter der enormen Menge zu bersten, gaukelte es der Wurst doch eine Art Flaschenhals vor.

Im Enddarm staute sich fauliger Inhalt und drückte mit Vehemenz gegen das Portal. Zur Gänze überfordert mit der prekären Situation probierte ich durch spezielle Atemtechniken der Schmerzen Herr zu werden. Tränen erzeugten glasige Augen. Spitze Schreie zwängten sich durch meine Lippen. Die Finger umklammerten die hölzerne Brille. Ich hoffte auf ein rasches Ende dieser Folter.

Die Zeit schien stillzustehen, aber ich ertrug die Pein stoisch. Gefühlte mehrere Kilo Kot verließen den Darm und verstopften die Toilette. Beißender Geruch legte sich in die Nase. Das Atmen fiel schwer. Das Aroma zerkratzte den Rachen. Kraftlos öffnete ich noch im Sitzen das Fenster. Stoßlüften schien ein probates Mittel. Blind, ob der tränenden Augen fingerte nach dem Raumspray. Durch Betätigen des Sprühknopfes gelang es mir, eine vanille getränkte Atmosphäre zu schaffen.

Entspannung suchte meinen geschundenen Körper heim. Feuchte Tücher entfernten auf sanfte Art jeglichen Rückstand und hinterließen eine hygienisch reine Öffnung. Das Entsorgen der Exkremente gestaltete sich umso schwieriger. Die Masse an Abfall stand beharrlich gegen das Wasser, welches der Spülkasten in die Schüssel flutete. Erst die dritte Spülung gewann den ungleichen Kampf, nachdem die Bürste unterstützend eingriff.

Ich hatte die Tortur überstanden. Die Waage bestätigte kühnste Vermutungen. Ich linderte die Folgen des Martyriums mit einer pflegenden Creme und verließ um Kilo erleichtert die sanitäre Einrichtung.

Proktologe

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